Yoga kennt kein Alter!

Interview mit Yogaschüler Karl Röhrig


Wir: Wann hast du zum ersten Mal Yoga gemacht?

Karl: Vor gut 25 Jahren habe ich mit Yoga begonnen und seitdem unterschiedliche Yogastile ausprobiert - ruhige, meditative und auch dynamische Stile. Früher habe ich noch viele andere Sportarten gemacht. Ich war viel draußen und bin zum Beispiel gern geritten. In meiner Jugend war ich gern mit dem Rennrad unterwegs und habe Fußball gespielt. Jetzt mag ich lange Spaziergänge mit dem Hund bei Wind und Wetter. Yoga war für mich aber immer richtig.

Wir: Was ist dir am Yoga am Wichtigsten? Körperliche, geistige Aspekte, beides oder ganz was anderes?

Karl: Das hält sich die Waage. Es ist unterschiedlich, je nach dem wie ich mich fühle. Mal bin ich eher entspannt, mal gestresst oder angestrengt und müde. Da ist dann immer etwas, das mir guttut. Manchmal liebe ich eine neue Herausforderung, manchmal die Routine, manchmal eher meinen Körper zu fühlen und die Entspannung. Ganz zur Ruhe kommen und den Alltagslärm einmal abschalten zu können, das finde ich besonders schön. Wir sind immer zufrieden und gelassen auf dem Rückweg nach Hause.

Wir: Merkst du Veränderungen, die du mit dem regelmäßigen Yoga in Zusammenhang bringst?       

Karl: Regelmäßigkeit ist mir wichtig. Dadurch wird alles angenehmer und leichter. Auch wenn mal etwas dazwischenkommt, raffe ich mich schnell wieder auf. Nach einer Pause gibt es manchmal einen kleinen Widerstand zu überwinden. Aber mein Körper hat wohl auch ein Gedächtnis für das Positive und es ist eine Freude wieder dabei sein zu können. Nach jeder Pause fühle ich mich gleich etwas älter, mit der Regelmäßigkeit komme ich mir dann jünger vor. 

Wir: Wie hat sich deine Yogapraxis mit dem Alter verändert?

Karl: Der sanfte Lauf und das Fließende sind mir wichtiger als eine Höchstleistung geworden. Ich mag genau das, was meinem Körper angenehm ist. Aber auch eine Anstrengung kann sehr angenehm sein. Mein Schwerpunkt ist es, den Körper zu spüren, auf seine Rückmeldungen zu achten und auch bei jeder Anstrengung entspannt zu bleiben. Vielleicht mag ich jetzt mehr das Meditative.

Wir: Welche Rolle spielt die Gemeinschaft? Und auch die Tatsache, dass es eine feste Gruppe ist?

Karl: Die Gruppe ist ganz wunderbar! Ich könnte ja auch zu Hause auf dem Teppich sitzen, aber da würde mir etwas fehlen. Wir freuen uns gemeinsam und können auch mal lachen, wenn sich jemand schnaufend schwertut. Dass jeder Mensch etwas anders ist, das ist doch angenehm und im Alter werden die Geschichten des Lebens auch immer interessanter. Niemand muss es, aber alle bringen sich mit ihrer Person ein, so wie sie es wollen. Das ist sehr schön.

Wir: Du kommst zusammen mit Deiner Partnerin in den Kurs. Macht Ihr zuhause auch Yoga?

Karl: Nur ganz bestimmte Übungen, keine Stunde. Zum Beispiel alles was für den Rücken gut ist, was dehnt und entspannt. Ich versuche mich zu entspannen, wenn ich mal nicht einschlafen kann. Die Hektik im Alltag verhindert meistens mehr. Da ist es schön eine feste Zeit und eine Gruppe zu haben. So lässt sich auch die Bequemlichkeit besser überwinden. 

Wir: Viele Menschen machen im Alter auch Gymnastik oder Tai-Chi. Warum hast du dich für Yoga entschieden?

Karl: Yoga habe ich immer wieder probiert und gut gefunden. Pilates oder Gymnastik zum Beispiel, waren mir auf Dauer zu technisch. Die Gruppen hatten weniger Verbindung. Tai-Chi hat eine Freundin gemacht, Yoga finde ich abwechslungsreicher. 

Wir: Was müsste passieren, dass du mit Yoga aufhörst?

Karl: Eigentlich wäre das nur dann der Fall, wenn ich es körperlich nicht mehr machen könnte. Ich würde immer wieder anfangen, wenn ich mal pausieren müsste, mir würde sonst etwas fehlen.

Wir: Wie reagiert dein Freundes- oder Bekanntenkreis darauf, dass du/ihr Yoga macht?

Karl: Die meisten fragen wo und wann. Viele kennen es nicht und glauben es wäre zu stark von Ideen und Mystik dominiert. Unsere Kursleiterin Barbara macht das für alle passend. So wie ich das sehe, haben wir verschiedene Arten von Lebensführung in unserer Gruppe. Das spielt im Kurs kaum eine Rolle. Bei uns Älteren ist das ja auch mit langer Lebenserfahrung verbunden.

Wir: Manchmal vertritt ja auch eine jüngere Lehrerin, ist das dann komisch?

Karl: Eher nicht. Manche Jüngere war aber etwas unsicher, wie viel sie uns zumuten kann. Da haben wir sie dann ermuntert uns nicht zu schonen. Aber es ist schon sehr schön, wenn eine ältere Lehrerin etwas eigene Erfahrungen mit den Schrammen und Narben des Lebens hat. Da fühlt man sich doch besser verstanden.

Wir: Welchen Anteil glaubst du hat Yoga an deinem gesundheitlichen Zustand?

Karl: Ich kann mich und meinen Körper besser einschätzen. Schmerzen und Hektik lassen sich überwinden oder lindern. Ich fühle mich nach dem Kurs immer besser als vorher und das hält auch eine Weile an. Das ist sicher gut für meine Gesundheit.

Wir: Mit welchen Worten würdest du anderen empfehlen Yoga zu üben?

Karl: Du lernst auf sanfte Art, mit Kopf und Körper beweglich zu bleiben. Du kannst entspannen, den hektischen Alltag ausblenden und neue Kraft schöpfen.

Wir: Wie bist du darauf gekommen, dich 2018 in der Yogaschule bei dem Kurs 65+ anzumelden?

Karl: Da sind die Nähe und die Altersgruppe zu nennen. Beides war mir wichtig. Unsere Kursleiterin hält uns in der Gruppe, sie passt zu uns.

Wir: Glaubst du es ist irgendwann zu spät mit Yoga anzufangen? 

Karl: Wie unser Beispiel zeigt, eher nicht. Da gibt es wohl andere Hürden.

Vielen lieben Dank Karl für das inspirierende und ermutigende Interview. Wer neu einsteigen oder wiedereinsteigen möchte, kann dies mit Sarah Cruisius in der nivata Yogaschule Zehlendorf ab 18. März immer dienstags von 10-11:15 Uhr tun! 

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